Röntgentechnologie und Recycling

Was haben Röntgentechnologie und Recycling gemeinsam? Mehr, als man zunächst vermuten würde. Denn genau dort, wo Menschen und Gepäck durchleuchtet werden, entstand einst eine Idee, die KORN Recycling – und mit ihr ein Stück weit die gesamte Recyclingbranche – verändern sollte.

Manchmal entstehen die größten Innovationen nicht im Labor. Sondern beim Warten auf ein Flugzeug. Als bei KORN Recycling Mitte der 2000er-Jahre intensiv darüber nachgedacht wurde, wie sich Wertstoffe noch präziser aus gemischten Abfällen zurückgewinnen lassen, stand das Unternehmen vor einem Problem, das damals kaum lösbar schien: schwarze Kunststoffe.

Die damals eingesetzte Infrarottechnik erkannte viele Materialien zuverlässig — nur eben schwarze Kunststoffe nicht. Sie reflektierten die Signale nicht ausreichend und verschwanden damit praktisch im Restabfall. Für viele Unternehmen der Branche war das ein technisches Limit. Für KORN Recycling war es eine Herausforderung. Der entscheidende Geistesblitz kam nicht in einem Besprechungsraum, sondern an einem Flughafen in Berlin. Während einer Reise beobachteten unser Geschäftsführer Alexander Korn und Wolfgang Kowalczyk, ebenfalls in der Geschäftsleitung bei Korn, bereits beim wohlverdienten Feierabendbier die Sicherheitskontrolle: Menschen liefen durch Scanner, Gepäckstücke wurden durchleuchtet. Und plötzlich stand eine Frage im Raum: Wenn Röntgentechnik Gepäck unterscheiden kann — warum dann nicht auch Abfälle?

Was zunächst wie ein spontaner Gedanke klang, wurde schnell zu einem mutigen Innovationsprojekt. KORN nahm Kontakt zu einem internationalen Technologiekonzern auf, dessen Label auf der Röntgenmaschine am Airport stand. Statt vermuteter Skepsis erlebte das Unternehmen Überraschung und Neugier. Wenige Wochen später stand der Entwicklungsleiter persönlich in Albstadt — damals noch in einfachen Büroräumen im Wohnhaus der Familie Korn. Gemeinsam begann eine Entwicklungsarbeit, die es in dieser Form in der Recyclingbranche bis dahin noch nicht gab.

Tüftlergeist statt Standardlösung

Die erste Röntgensortieranlage entstand nicht als fertiges Industrieprodukt „von der Stange“. Vielmehr wurde gemeinsam experimentiert, gebaut, getestet und optimiert. Mit Förderband, Abschirmung, Sensorik und jeder Menge Improvisation entstand eine erste Versuchsanlage. „Wir haben das Drumherum irgendwie zusammengebastelt“, erinnert sich Geschäftsführer Alexander Korn heute schmunzelnd. Doch die Ergebnisse waren beeindruckend. Denn anders als Infrarottechnik funktioniert Röntgentechnik unabhängig von Farben. Die Technologie analysiert Materialdichte und Stoffeigenschaften — und erkennt dadurch selbst kleinste Unterschiede in komplexen Abfallströmen. Genau das machte plötzlich möglich, was vorher kaum denkbar war: noch tiefere Sortierung, höhere Reinheit und deutlich mehr Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe.

2008 ging schließlich die erste große Sortieranlage mit mehreren Röntgensortiermaschinen bei KORN Recycling in Betrieb — als eine der ersten Anlagen dieser Art überhaupt in der deutschen Abfallwirtschaft. Die Reaktion der Branche? Erst einmal Unverständnis. „Damals haben viele gesagt: Die haben doch einen Knall“, erzählt Alexander Korn heute offen. Die Maschinen waren teuer, die Technologie neu und der wirtschaftliche Nutzen für viele noch schwer vorstellbar. Doch KORN glaubte an Qualität statt kurzfristige Optimierung.

Der Anfang eines neuen Standards

Was damals belächelt wurde, ist heute Stand der Technik. Die Idee aus Albstadt hat die Branche nachhaltig verändert. Moderne Sortieranlagen arbeiten inzwischen selbstverständlich mit sensorgestützter Technologie, Röntgensystemen, Nahinfrarot-Erkennung und KI-gestützten Prozessen. Die Anforderungen an Recyclingquoten und Rohstoffreinheit steigen kontinuierlich — genau auf diese Entwicklung hatte KORN früh gesetzt. Bis heute gilt die Anlage des Unternehmens als Referenz in der Branche. Hersteller, Wissenschaftler und Institutionen besuchen den Standort regelmäßig, um sich Prozesse und Technologien anzusehen.

Dabei geht es KORN Recycling nie nur um Technik allein. Hinter jeder Innovation steht eine klare Haltung: möglichst viele Rohstoffe im Kreislauf zu halten und aus vermeintlichem Abfall wieder Wertstoffe zu machen. Dieses Denken prägt unser Unternehmen bis heute — vom Ausbau regionaler Standorte über moderne Logistik bis hin zu neuesten Entwicklungen wie KI-gestützter Batteriesortierung.

Innovation beginnt mit Neugier

Die Geschichte der Röntgensortierung zeigt vielleicht am besten, was KORN Recycling ausmacht: Mut, technische Neugier und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen — auch dann, wenn andere noch zweifeln. Oder wie es im Unternehmen selbst formuliert wird: Modernes Recycling entsteht dort, wo Menschen bereit sind, genauer hinzuschauen.

 

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